August 23, 2017

Die sieben Himmel

Willkommen über den Wolken

Ich habe versprochen, euch mit in den Himmel zu nehmen – also nehme ich euch mit auf eine kleine Sightseeing-Tour. Darf ich vorstellen: die sieben Himmel!

1. Himmel: Vilon

Herzlich Willkommen in Vilon! Vom Empfangsbereich aus könnt ihr euch zwischen zwei Türen entscheiden: Zur Wetterstation oder dem Garten Eden.

In der Wetterstation ist immer reichlich viel los, zumindest im Observatorium – das ist der große Turm da vorne. Seht ihr ihn? Klar seht ihr ihn, es gibt schließlich nur einen hier. Ansonsten wächst hier nämlich nur grünes Gras vor sich hin. Engel findet ihr hier keine, es sei denn, ihr betretet den Turm … doch Achtung! Stört ihr jemandes Konzentration, kann es passieren, dass ein Wetterengel aus Versehen einen Tornado auf der Erde auslöst …

Lasst uns lieber in einen leckereren Teil von Vilon gehen! Zurück zum Empfang und durch die andere Tür … und schwupps sind wir im Garten Eden. Was hier so alles vor sich hinwächst, ist unglaublich. Kirschbäume neben Kokosnusspalmen, Himbeersträucher neben Gurkenbeeten … aber hey, es scheint zu funktionieren! Ein paar Ernte-Engel pflücken fleißig Erdbeeren und lassen sie in ihre Körbe schweben. Halt nein! Geht nicht zu dem Apfelbaum da! Ein Biss, und ihr könntet euch an Dinge erinnern, die ihr lieber nicht wissen wolltet … Lasst uns doch in den zweiten Himmel aufsteigen, futtern könnt ihr auch später in Zebhul noch!

2. Himmel: Raqia

Nur eine Tür hier, im Empfangsraum? Ja, so ist es. Und nein, Finger weg von der Klinke! Da wollt ihr nicht rein – es sei denn, ihr wollte nie wieder zurück auf die Erde … Lasst uns doch lieber nochmal aufsteigen, ja?

3. Himmel: Shechaqim

Endlich wieder zwei Türen, was? Und ja, durch eine können wir sofort durchgehen! Was, ihr findet es hier langweilig?! Ich gebe ja zu, die Glaskastenhalle macht eher einen industriellen Eindruck, zusammen mit dem Retro-Fotoautomaten in der Ecke vor uns. Aber ich verspreche euch, hier ist es spannender als ihr gerade denkt! Noch könnt ihr nämlich nicht sehen, was sich innerhalb der zahlreichen kleinen Glaskästen verbirgt – immerhin habt ihr noch keinen Engels-Vertrag unterschrieben, oder? Aber falls ihr einen Verstorbenen kennt – jetzt könnt ihr ihn hier besuchen gegen. Die Spiegel über den Glaskästen sind nämlich funktional und keine Deko. Falls ihr die richtige Nummer eures toten Freundes oder Familienmitgliedes nicht kennt, können wir auch nochmal kurz zum Empfang zurückgehen – die brauchen in der Regel nur Vor- und Nachnamen mit Postleitzahl, dann können wir uns mit dem Möchtegern-Fotoautomaten zum richtigen Kasten samt Spiegel beamen. Verliert aber bloß den roten Chip nicht, den der Automat ausspuckt! Wenn der herunterfällt, beamt es uns sofort zum Eingang zurück. Warum das so ist? Na, wollt ihr denn nachher hundert Kilometer zurück zum Eingang latschen, wenn ihr euch auch beamen könntet? Na also. So, ihr habt die Nummer von der netten Engel-Sekretärin? Super! Dann ab in den Pseudo-Automaten und … beaaaam! Wir sind da! Jetzt einfach mit den Fingern über den Spiegel streichen, dann wird die Kopie der Seele eures Verstorbenen mit euch sprechen können. Ich lasse euch jetzt mal eine Weile alleine, ihr habt bestimmt viel zu besprechen – Wir treffen uns am Empfang wieder!

Wow, das hat ja gar nicht so lange gedauert! Was, ihr wollt jetzt durch die andere Tür? Tut mir leid, aber da wollte ihr wirklich nicht rein, noch viel weniger als im vorigen Himmel, das verspreche ich euch! Aber dafür kann ich euch im nächsten Himmel leckeres Frucht-Sushi anbieten.

4. Himmel: Zebhul

Aua! Hier müsst ihr schon im Empfangsraum aufpassen, dass ihr niemanden anrempelt oder angerempelt werdet. Und ja, es ist immer so voll hier – schließlich führt die einzige Tür zum himmlischen Jerusalem. Die Himmelsstadt beherbergt die meisten Amtsgebäude und Händler. Ja, Engel essen ab und zu auch mal was, aber hier geht es eher um Genuss als um Nahrungsaufnahme. Aber ich sehe schon, das habt ihr gerade selbst herausgefunden. Lasst euch das Obst schmecken! Ah, wo habt ihr die Tassen her? Ich will auch eine! Lasst uns doch zu den Milch- und Honigflüssen gehen, Wein und Öl finde ich persönlich nicht so prickelnd. Und bitte ignoriert die gackernden Engel am Weinfluss. Was die Mauer da vorne soll? Naja, dahinter sind knallhart noch dreiundzwanzig andere Mauern, denn unsere werte Luzifer hat einst einen Krieg hier ausgelöst. Danach haben sie diese hübschen Mauern errichtet. Wo Luzifer gerade ist? Tja, da gibt’s eine Menge Legenden. Ich tippe ja darauf, dass sie sich irgendwo auf der Erde rumtreibt … So, genug gefuttert und getrunken! Ich will euch noch Eiaels Laden für magische Pentagramme zeigen und den Sylphen-Turm. Je nach Engelsamt könntet ihr hier schließlich auch eines Tages mal arbeiten. Also ab durch die Gassen! Gefallen euch die Gebäude? Mir auch, ich finde diese Rokoko-Zierden ziemlich geil, zusammen mit den konkaven und konvexen Formen. Hat was. Ok, wir sind da! Dieser kleine Laden hier enthält alles, was ein angehender … Wie, ihr findet den langweilig?! Ja ich gebe ja zu, er schaut aus wie ein stinknormaler Antiquitätenladen. Aber die Pentagramme schauen doch so supercool aus! Diese kleinen Medaillons in Taschenuhrgröße, die ihr mithilfe von Engelsmagie und Hebräisch bedienen könntet … Wie, ihr könnt kein Hebräisch? Lernt man in der Schule heutzutage denn gar nichts?! Gut, dann eben auf zu den Sylphen. Das ist der Vogelschwarm da oben bei dem Türmchen. Und nein, das sind keine normalen Vögel, auch wenn sie so aussehen. In diese Engelsdiener können befugte Engel ihren Geist hineinlegen und somit die Erde besuchen um Botschaften auszutauschen … halt nein, ihr dürft die Ente da nicht braten!

5. Himmel: Machon

Die arme Ente. Die gehört doch irgendeinem Engel! Die ist jetzt wohl traumatisiert fürs Leben. Lasst uns doch etwas entspannen und nach Machon aufsteigen. Und Finger weg von der zweiten Tür! Ihr dürft nur durch die erste. Aaaah, wie schön das klingt! Und wie weich der Wolkenboden ist! Alles hier ist in weiß und blau getunkt, einfach himmlisch schön. Und der Gesang erst! In der Ferne seht ihr die Konzerthalle, ein imposantes Gebäuden mit Säulenumgang. Und Banner. Fettem Banner. Wer der attraktive blonde Kerl darauf ist? Waaas, ihr kennt den nicht?! Das ist Janiel, der wohl berühmteste Chor-Engel im ganzen Himmel! Seine Lieder kennt ihr aber bestimmt, seine Stücke gibt er nämlich an Musen-Engel weiter, die sie dann im Schlaf den Künstlern auf der Erde einflüstern. Was ist denn euer Lieblingslied? Aha. Ja, das hat Janiel auch geschrieben. Ihr wollt mehr von der Chormusik hören? Alles klar, dann lasst uns doch mal in die Halle reingehen! Nach dem Eingangsbereich folgt ein Kirchenschiff, doch auch hier ist niemand. Dafür wird der Gesang lauter. Die Stimmen klingen hell und melodisch. Ihr wollt hier nie wieder weg, was? Moment, habt ihr gerade die Tür da geöffnet? Ein kleines Mädchen mit Zöpfen stürmt heraus und beschimpft uns, so schnell, dass wir kein Wort verstehen. Darf ich vorstellen: Raueriel, die kleine Chorzicke. Da kommt eine kleine Kopie des Mädchens hinterher, packt sie am Arm, entschuldigt sich bei uns und schleppt sie zurück in den Chorprobenraum. Ok, vielleicht hätten wir die Probe doch nicht stören sollen. Lasst uns lieber aufsteigen und in die Akasha-Chronik mal einbrechen!

6. Himmel: Makon

Eine Tür, tausend Bürogänge. Das ist Makon, der Ort, an dem die Karma-Engel in ihren Kämmerchen arbeiten! Der Ort, an dem die Akasha-Chronik wohnt – die heilige Schrift, die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft jedes Menschen enthält. Oh Mist! Ein Sensenmann kommt uns entgegen, einfach alles an ihm ist weiß: Die Haut, die Haare, die Iris … und natürlich die scheiß-gefährliche Sense da. Er schwingt sie kurz nach uns und meckert herum, von wegen, was wir hier zu suchen haben. Okay Leute, sieht aus, als könnte ich euch die Bibliothek doch nicht zeigen … zumindest nicht, solange der weiße Wächter hier sein Unwesen treibt. Lasst uns unser Glück im höchsten aller Himmel mal versuchen!

7. Himmel: Araboth

Mist, abgeschlossen.

 

Ich hoffe, euch hat die Führung durch die sieben Himmel gefallen! Falls ja, schreibt mir doch einen Kommentar auf Facebook, damit ich weiß, ob ich euch auch zukünftig solche Sightseeing-Touren anbieten soll. In diesem Sinne: Noch viel Spaß auf der Erde heute!