Zeichnen lernen: Warum Werkzeug wichtig ist

Zeichnen lernen: Warum Werkzeug wichtig ist

Dieser Beitrag hier ist vermutlich für alle angehenden Künstler besonders interessant, denn heute möchte ich mich mal zum Thema Material & Werkzeug auskotzen. Viele von euch kennen das Problem, dass man irgendwie zeichnen, designen oder digitales Arbeiten lernen möchte, aber irgendwie keine Kohle für Aquarellfarben, Druckbleistifte, Copics und Fineliner hat. Geschweige denn für ein Wacom Grafiktablet, einen High End PC oder gescheite Scanner und Drucker. Die gute Nachricht: Wer gerade erst anfängt, muss nicht tief in die Tasche greifen.

 

Pro-Tipp: Lernen bedeutet nicht Performen.

Du musst deine Übungen keiner Sau zeigen. Das mache ich übrigens auch nicht. Ausnahmsweise zeige ich euch heute ein paar Sachen für den Artikel.

 

Das Wichtigste

Möchtest du zeichnen lernen? – Schnapp dir einen stinknormalen Bleistift, meinetwegen von Ikea, außerdem einen Spitzer und einen Radiergummi. Nicht zu vergessen: Eine riesige Ladung Kopierpapier ausm Drogeriemarkt. Das einzige, was jetzt noch fehlt, um ein Top-Zeichner zu werden, ist entweder raus zu gehen und jeden und alles zu abzuzeichnen, was einem so begegnet und oder die örtliche Bibliothek zu besuchen, sich reinzusetzen und alle zehntausend Muskeln aus Künstler-Anatomie-Büchern zu studieren und ebenfalls abzuzeichnen. Man kann sich auch vor den Spiegel stellen, eine Pose einnnehmen, beobachten, und diese Pose dann zeichnen. Das ist das, was ich am liebsten mache.

Beispiel Aquarell

Möchtest du Aquarell malen lernen? – Wasserfarben sind deine Freunde, außerdem ein Marder-Haar-Pinsel für den Wert von ca. 10-20 Euro. Jop, so ein teurer Pinsel lohnt sich. Dafür können die Farben meinetwegen aus dem Ein-Euro-Shop sein. Wer dennoch gleich mit Aquarell starten will, dem empfehle ich die Winsor & Newton Pocket Box oder ein Colorex-Set für ca. 10-15 Euro. Beim Papier sieht es wieder etwas doof aus, denn Kopierpapier neigt dazu, sich zu wellen, wenn es nass wird. Dennoch wäre das jetzt nicht ultra schlimm. Mut zur Welle! Wozu gibt es die Bibel, den Duden und andere schwere Bücher? Genau! Viel wichtiger als gewelltes Papier ist, dass man lernt, wie man mit dem Pinsel umgehen muss, damit dicke oder dünne Pinselstriche erzeugt werden und wo Schatten und Licht im Motiv die gewünschte Wirkung erzielen. Kurz gesagt: Kapieren, wie Dreidimensionalität durch Farben und ihre Abstufungen erzeugt wird. And yes, it’s not easy. Außerdem nimmt es einem am Anfang die Hemmung, das teure Blatt zu beschmutzen, wenn das Blatt gar nicht teuer war. Mit der Zeit (und der Übung) ist natürlich irgendwann ein Aquarellblock angesagt. Ich mag dabei ganz gern die Papiere von Hahnemühle, aber da hat jeder Künstler eigene Vorlieben und ich kann euch nur dazu ermutigen, verschiedene Papiere auszuprobieren. Aquarellblöcke gibt es auch in kleinen Formaten wie A6, demnach kosten sie entsprechend unter 10 Euro und sind gut zum Expermentieren geeignet.

Beispiel Digital Art

Möchtest du digital zeichnen / designen lernen? – Hol dir das günstigste Wacom Tablet oder ein Huion für ca. 90 Euro. Ich weiß, das ist immer noch verdammt teuer, gerade für jemanden unter achtzehn, aber es lohnt sich. Zur Not von den Eltern zu Weihnachten wünschen und jeden damit zujammern, dass man das haben muss, irgendwer wird sich schon erbarmen. Klar gibt es Modelle für tausende von Euronen, aber glaubt mir, um die Grundlagen zu lernen, braucht ihr das alles die ersten drei Jahre nicht. Wenn ich mit eurem günstigen Grafiktablet perfekt umgehen könnt, ist es erst Zeit, sich was Extravaganteres zu leisten.

Mein absolutes Lieblingszeichenprogramm ist Paint Tool Sai. Das kostet ca. 40 Euro – wer aber erst mal testen möchte, kann sich natürlich auch die 30-Tage Demo erstmal holen. Paint Tool Sai benutze ich nicht nur zum Zeichnen, sondern auch gern mal wegen bestimmten Farbfiltern zur Fotomanipulation.

Vorrangig ist die Gratis-Alternative zu Photoshop: GIMP. Ich habe jahrelang mit GIMP gearbeitet, bevor ich auf Photoshop im Studium umgestiegen bin. Der Wechsel von dem einen auf das andere Programm beschränkt sich im Wesentlichen darauf, dass die Shortcuts anders sind.

 

Das waren jetzt erstmal nur drei Beispiele, wie man mit was Kreativem anfangen kann, ohne mehr als ca. 150 Euro auszugeben. Und hey, das ist billiger als die meisten Smartphones, und das Teil gönnt sich auch jeder. Das Problem mit der Kohle tritt erst später auf. Angenommen, du kannst bereits super gut Menschen, Gebäude, Szenerien, Tiere und geilen Shit zeichnen, indem du wenige oder gar keine Referenzen benutzt. Angenommen, du bist der Wasserfarben-Buntstift-Tusche-Kreide-Gott. Angenommen, du kannst gerade Striche auf deinem Tablet ziehen, kennst dich prima mit GIMP und SAI aus. Dann haben wir ein Problem, denn jetzt wirds teuer. Nun stellen wir fest, dass die professionellen Grafikprogramme genauso viel kosten wie gemunkelt wird, genau wie Scanner, PCs, Drucker und Cintiqs. Die Lösung: Sparen. Klingt traurig, ist aber so. Im besten Fall sind die Skills bis dahin so weit ausgebaut, dass sich das Hobby – falls es eines ist – von alleine tragen kann. Wenn nicht, hilft nur ein Ferienjob oder Ähnliches. Warum aber lohnt sich jetzt plötzlich das Investieren?

Ganz einfach: Teures Werkzeug macht keinen guten Künstler aus dir. Der musst du schon vorher sein, nämlich mit dem billigen Shit.

Teures Werkzeug macht Folgendes aus dir: Einen schnellen Künstler.

Denn dieser ganze coole Schnickschnack ist so teuer, weil er die Arbeitsprozesse um einen nicht gerade kleinen Prozentsatz beschleunigt. Im Berufsleben eines Kreativen bedeutet das schlichtweg, dass mehr Aufträge in weniger Zeit bewältigt werden können.

Ich hoffe, ich konnte den ein oder anderen armen Schlucker motivieren. Zeichnen lernen kann jeder, auch du 😉 Und wenn du nicht an dich glaubst, glaub ich an dich.
Ich wünsche dir das Allerbeste,
deine Whiscy

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